Die Ermittlungen konzentrieren sich auf eine Fusion, bei der die Holdinggesellschaft ihre italienische Tochtergesellschaft übernahm und dadurch möglicherweise eine Wegzugssteuer nach italienischem Recht fällig wurde. Die Behörden werfen dem Unternehmen, das über die Hälfte der Campari-Aktien und mehr als 80 % der Stimmrechte hält, vor, Vermögenswerte ins Ausland transferiert zu haben, ohne seinen Steuerpflichten nachzukommen. Die italienische Steuerpolizei bezeichnete die Maßnahme als vorsorgliche Beschlagnahme zur Sicherung der mutmaßlich nicht gezahlten Steuern.
Die Maßnahme betrifft Campari-Anteile, die über die Holdinggesellschaft gehalten werden, hat aber keine Auswirkungen auf das Tagesgeschäft oder die Eigentumsverhältnisse von Campari. Die Holdinggesellschaft erklärte, sie habe stets geltende Gesetze eingehalten und werde uneingeschränkt mit den italienischen Behörden kooperieren. Die Beschlagnahme habe „keine Auswirkungen auf die Kontrollbeteiligung an Campari“, hieß es weiter, und die Angelegenheit werde gemäß den gesetzlichen Bestimmungen geklärt.
Die italienische Steuerpolizei bestätigt die Beschlagnahme von 1,3 Milliarden Euro im Zusammenhang mit Lagfin.
Die Campari-Gruppe mit Hauptsitz in Mailand ist eines der weltweit führenden Getränkeunternehmen. Zu ihrem Portfolio gehören Marken wie Aperol, Grand Marnier, SKYY Vodka und Wild Turkey. Das 1860 gegründete Unternehmen ist in über 190 Ländern tätig und an der Mailänder Börse notiert. Die Marktkapitalisierung beträgt über 13 Milliarden Euro. Die Beschlagnahme der Vermögenswerte stellt eine der größten Aktionen italienischer Finanzermittler der letzten Jahre gegen grenzüberschreitende Steuergestaltungen großer Konzerne dar.
Die Behörden haben die Überprüfung von Unternehmen verstärkt, die im Zuge interner Umstrukturierungen Beteiligungen in Jurisdiktionen wie Luxemburg und die Niederlande verlagern . Der Campari-Gruppe wird kein Fehlverhalten vorgeworfen, und die Untersuchung beschränkt sich auf die Holdinggesellschaft und deren Steuererklärungen im Zusammenhang mit der Fusion. Das Unternehmen bestätigte, dass der Fall „weder die Campari-Gruppe noch ihre Tochtergesellschaften betrifft“. Die italienische Staatsanwaltschaft hat noch keine Anklage erhoben, und das Verfahren befindet sich weiterhin im Ermittlungsstadium.
Das Vertrauen der Anleger bleibt trotz der rechtlichen Schritte stabil.
Die Finanzpolizei betonte, dass die Anordnung der Sicherung potenzieller Steuerschulden bis zum Abschluss des Verfahrens dient. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnten die beschlagnahmten Vermögenswerte später zur Begleichung etwaiger Steuernachforderungen verwendet werden. Der Fall unterstreicht Italiens verstärkte Bemühungen, die Unternehmensbesteuerung durchzusetzen und Kapitaltransfers zu bekämpfen, die als Untergrabung der inländischen Steuerbasis wahrgenommen werden.
Dies geschieht im Zuge umfassenderer europäischer Initiativen zur Stärkung der grenzüberschreitenden Steuertransparenz und zur Reduzierung der Nutzung von Niedrigsteuerländern für Unternehmensbeteiligungen. Die Aktien der Campari-Gruppe notierten stabil, was das Vertrauen der Anleger in die Unbeeinträchtigtheit der Finanzlage und der globalen Geschäftstätigkeit des Unternehmens widerspiegelt. Das Gerichtsverfahren wird unter Aufsicht des Gerichts in Monza fortgesetzt; weitere Anhörungen werden im Laufe des Jahres erwartet. – Von der EuroWire -Redaktion.